Interessanterweise war es beinahe komplizierter, als Deutscher in den USA einen Führerschein zu bekommen, als das ganze Green Card Verfahren zu durchlaufen. Warum? Den Grund hab ich nicht verstanden – aber es brauchte einige Behördengänge, bis ich meinen Führerschein hatte.

Aber vorab: Der Führerschein hat hier eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland. Weil es keinen Personalausweis in den USA gibt, weist man sich eben mit dem Führerschein aus. Und weil es keinen Alkohol unter 21 Jahren in den Bars gibt (und selbst Konzerte oft nur für ältere Besucher zugänglich sind), wird sehr häufig nach dem Führerschein gefragt – weit häufiger, als man in Deutschland den Personalausweis zeigen muss.

Wann bekommt man als Deutscher in den USA einen Führerschein?

Die genauen Regeln, wann man als Deutscher einen amerikanischen Führerschein in den USA braucht, sind mir bis heute nicht klar. Grundsätzlich kann man sich auf der Seite „Foreign Visitors Driving in the U.S.“ der amerikanischen Regierung informieren. Wer als Tourist in den USA Auto fahren will, sollte sich demnach einen Internationalen Führerschein in Deutschland beim Straßenverkehrsamt besorgen.

Meine Erfahrung: Das klappt problemlos, man sollte sich aber rechtzeitig um den Internationalen Führerschein kümmern. Ich hatte damals noch eine rosa-farbenen Fleppe, und in Berlin galt die Regel, dass man einen EU-Führerschein beantragen musste, wenn man einen internationalen Führerschein haben wollte. Dies erwies sich übrigens als Problem beim Beantragen des Führerscheins in New Jersey, aber dazu später mehr. (Ein paar allgemeine Regeln gibt es beim ADAC – wobei es durchaus sein kann, dass Polizisten mit dem EU-Führerschein zufrieden sind, wenn sie danach fragen.)

Ob man überhaupt einen Führerschein des Bundesstaates braucht, in dem man lebt, erschließt sich mir aus den Regeln nicht. Auf der Webseite der Motor Vehicle Commission steht dazu nichts, und ich habe widersprüchliche Angaben dazu gefunden. Es scheint aber nur logisch, dass man nach Erhalt der „Green Card“ nicht mehr mit dem deutschen Führerschein herum fährt.

Welche Regeln gelten für den Erwerb des Führerscheins in den USA?

Welche Bedingungen für den Erwerb des Führerscheins in den USA gelten, hängt vom jeweiligen Bundesland ab – „driver licenses“ sind Sache der Staaten. Ich kann nur über New York und New Jersey reden:

  • In New York mussten alle Freunde von uns, die aus Großbritannien und Deutschland in die USA eingewandert sind, Fahrstunden nehmen und eine praktische Führerschein-Prüfung bestehen. Das ist eine teure Angelegenheit und ein bisschen albern (die Freunde, die das betraf, hatten alle gut und gerne 20 Jahre Fahrpraxis).
  • In New Jersey reicht für Deutsche, die ihren Führerschein vorzeigen können, eine theoretische Prüfung aus.
  • Bei andere Bundesstaaten sollte man sich also rechtzeitig informieren.

Wie ich meinen Führerschein in New Jersey bekam

Wie schon eingangs erwähnt – den Führerschein in New Jersey zu erwerben, war eine aufwendige Angelegenheit, die mehrere Tage dauerte.

Tag 1:

In New Jersey  muss man die „6 Point ID Verification“ Regel beachten – der deutsche Reisepass und die Green Card reichen absolut nicht aus, um überhaupt einen Führerschein beantragen zu können. Nachdem ich eine halbe Stunde in der Schlange gewartet hatte, musste ich feststellen, dass ein Ausdruck eines offiziellen Schreibens mit meiner Adresse nicht zählt. Ich wurde wieder nach Hause geschickt.

Als ich am Nachmittag mit allen Unterlagen zurückkam, war die Schlange so lang, dass uns der Chef der Behörde in unserem County nach Hause schickte. Das war aber ganz gut, weil ich niemals den Führerscheintest bestanden hätte.

Tag 2:

Nachdem ich ein wenig im Internet recherchiert hatte, entschloss ich mich, doch ein wenig zu lernen für meine Prüfung (man kann zum Beispiel auf der Seite dieser Fahrschule in Edison, NJ einen Probetest absolvieren). Der größte Fallstrick in New Jersey: Es gibt hier ein Programm namens „Graduated Driver License“ – für junge Fahrer gelten spezielle Regeln. Und diese Regeln sollte man kennen, selbst wenn man schon lange einen Führerschein in Deutschland besitzt – ein Großteil der Fragen im Führerschein-Test dreht sich um das GDL-Programm. Ich habe das „Basic automobile driver manual“ nicht komplett gelesen, aber den GDL-Abschnitt vorher so weit wie möglich verinnerlicht (durch den oben erwähnten Probetest bekommt man durchaus ein Gefühl dafür, was man lesen sollte). Das erwies sich als hilfreich.

Ich stellte mich also am zweiten Tag in die erste Schlange, in der die Dokumente geprüft werden. Dann bekommt man eine Nummer, wird irgendwann aufgerufen, nochmal überprüft und kommt dann an einen Schalter, wo ich meine Gebühren zahlen durfte, wo ein Foto gemacht wurde und wo ich die Zulassung für die theoretische Prüfung bekam.

Den Führerschein würde ich an diesem Tag nicht bekommen, machte mir die nächste Dame klar (die Mitarbeiter bei der DMV sind übrigens genauso unfreundlich wie in einer deutschen Behörde). Als ich meinen internationalen Führerschein beantragte, besaß ich noch einen rosa-farbenen Führerschein. Da der EU-Führerschein nicht bis zu meinem Urlaub fertig wurde, trug die Beamtin in Berlin die Nummer des alten Führerscheins im internationalen ein. Nach dem Urlaub bekam ich den neuen Führerschein, die Beamtin strich die alte Nummer  und trug die neue ein, die ordnungsgemäß abgestempelt wurde.

Der amerikanischen Beamtin reichte das nicht.

Da könnte ja jeder kommen und ein Stempel einsetzen. Die Folge: Ich musste den deutschen Führerschein übersetzen lassen. Für die Geburtsurkunde reichte es bei der Einwanderung aus, dass ich diese übersetzte und ein deutscher Freund beim Notar beglaubigte, dass die Übersetzung korrekt ist. Für den Führerschein, auf dem praktisch nichts steht, musste ich einen offiziellen, vom Bundesstaat zugelassenen Übersetzer beauftragen, was zum Glück nur 30 Dollar kostete.

Immerhin durfte ich die theoretische Prüfung absolvieren, die ich zum Glück auch bestand – wenn auch nur mit Punktlandung. Ein paar mehr GDL-Informationen und ein paar Zahlen (Abstand beim Parken zu Kreuzungen etc) hätte ich mir eventuell noch merken sollen. Aber egal – es gibt ja keine Noten.

Tag 3:

Eine Woche später hatte ich die beglaubigte Übersetzung. Also stellte ich mich wieder in Schlange 1, konnte dann direkt zu den Damen gehen, die meinen internationalen Führerschein eine Woche vorher nicht akzeptiert hatten, bekam alle notwendigen Unterlagen, um mich nochmal in Schlange 1 zu stellen, wo ich eine Nummer für Schlange 2 bekam, um zu den anderen Damen gehen zu dürfen, die mir meinen Führerschein aushändigen würden. Da hatte ich dann eine nette Auszubildende, die noch nie mit einem Green-Card-Inhaber zu tun hatte, viele Fragen stellen musste, aber sich sehr um meine Angelegenheiten kümmerte.

Und die große Überraschung – fünf Minuten später bekam ich den Führerschein ausgehändigt, den ich am gleichen Abend auch zum ersten Mal bei einem Konzert als Ausweis benutzte.

Ich hatte während des Prozedere übrigens das ein oder andere Mal überlegt, nach dem Vorgesetzten zu fragen. Zum Glück hab ich’s gelassen, meinten Michele und einige Freunde hinterher – wer sich mit den DMV-Mitarbeitern anlegt, bekommt hinterher nicht mal mehr eine Moped-Fahrerlaubnis… 😉

 

One Thought on “Als Deutscher den Führerschein in den USA bekommen

  1. Pingback: Zwei Jahre in den USA: Green Card verlängern | Auf in die USA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Post Navigation