Es gibt sicherlich ein paar Klischees über uns Deutsche, die rundum zutreffen, während andere völlig übertrieben sind. Ich bin zum Beispiel überzeugt, dass New Yorker im Jahr mehr Sauerkraut essen als Deutsche in einer Dekade. Und dass die Amerikaner glauben, wir würden warmes Bier trinken, liegt nur daran, dass man amerikanisches Bier wie Miller Lite oder Budweiser ins Eisfach legen muss, um jeden Geschmack abzutöten. Es gibt aber auch ein paar Klischees, die stimmen. Es geht zum Beispiel nichts über deutsches Brot. Das ist nur leider in den USA schwer zu bekommen.

Meistens kaufe ich Brot von Big Booty in Chelsea. Das Whole Wheat Bread ist extrem lecker. Aber es ist so luftig-locker, wie man es von Brot in den USA erwartet. Sprich: Ich kann zum Abendessen problemlos ein halbes Brot vertilgen (so groß sind die Laibe allerdings auch nicht). Insofern hätte ich doch gerne noch eine deutsche Alternative (es geht doch nichts über Sonnenblumkern-Brot mit einem guten Morbier.

Vor anderthalb Wochen entdeckten Michele und ich dann die deutsche Bäckerei “Old German Bakery” in Hoboken. Ich war begeistert. Hier gibt es gutes Ökobrot, Berliner, Quarkbällchen, Apfelteilchen, Schokoladenkuchen und vieles mehr – alles, was man auch in einer deutschen Ökobäckerei erwarten würde.

Michele bestellte sich ein Schoko-Croissant, ich nahm einen Apfelstrudel und natürlich das Sonnenblumkern-Brot. Wir waren beide sehr angetan vom Geschmack (ich vermutlich mehr als Michele, weil ich den Vergleich mit Zuhause ziehen konnte). Sehr schön fand ich auch, dass mir die (deutsche) Verkäuferin erklärte, dass der Quark aus Deutschland komme. Ich hab nämlich mal Quark aus den USA (von Whole Foods) probiert, aber der ging gar nicht.

Heute hab ich dann meinen freien Tag genutzt, um die sieben Kilometer bis nach Hoboken zu radeln – das Brot war vertilgt, und ich wollte mir nach meinem langen Lauf gestern mal was Leckeres können. Ich wusste gar nicht, was ich nehmen sollte. Berliner? Oder Schokoladenkuchen? (German Chocolate Cake wird in den USA mit Kokosflocken hergestellt – warum auch immer, so viele Kokospalmen gibt’s ja zwischen Flensburg und Garmisch nicht).

Als ich die Quarkbällchen sah, war klar – die nehm ich und nichts anderes. Und es stimmte: Die recht großen Bällchen hatten den Geschmack, den ich aus Berlin kannte. In Berlin lief ich nämlich bei meinen langen Läufen immer an der Arena vorbei, wo sonntags ein Stand Quarkbällchen verkaufte. Seither verband ich den Geruch mit meinen Läufen von über 18 Kilometern. Und immer dann, wenn der Lauf besonders anstrengend war, gönnte ich mir Quarkbällchen. Heute hatte ich sie mir auch verdient, angesichts der Anstrengung gestern und der Radelei heute. Bei einer Pause am Hudson River wurde dann gleich klar, dass sie äußerst lecker sind. Am liebsten wäre ich zurückgefahren und hätte mehr Nachschub geholt.

In Hoboken sind alle verrückt nach dem Cake Boss, der eine Reality TV Show im Fernsehen hat. Wer dort einkaufen will, muss schon mal drei Stunden Schlange stehen einplanen (keine Ahnung, ob sich das lohnt). Bei der Old German Bakery, die auch bei Amerikanern beliebt ist, steht man nicht annähernd so lange an – und es ist trotzdem äußerst lecker.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Post Navigation