Mir ist aufgefallen, dass ich in meinen bisherigen Beiträgen nie erklärt habe, welche Schritte wir bei meiner Einwanderung in die USA durchlaufen mussten, um schließlich die Green Card zu erhalten. Ich will meine Erfahrungen in mehreren Texten in den kommenden Wochen ein wenig ausführlicher erläutern – um bei Lesern, die einen ähnlichen Schritt wie wir planen, die Nervosität zu nehmen. Im ersten Teil geht es vor allem um die ärztliche Untersuchung.

Vorab: Ich schildere hier unsere persönlichen Erfahrungen bei der Einwanderung in die USA. Wir haben uns im Herbst 2010 spontan entschieden, dass ich hier im Großraum New York bleiben würde. Wer einen amerikanischen Partner heiratet und auf diesem Weg die Green Card beantragt, muss die Entscheidung üblicherweise im Heimatland abwarten. Die Wartezeit beträgt Monate, in dieser Zeit darf man nicht in die USA reisen. Der Vorteil hingegen: Wer diesen Weg wählt, kann das Verfahren auch problemlos ohne Anwalt durchlaufen.

Da ich aber am Ende einer Urlaubsreise einfach hier geblieben bin, haben wir lieber einen Anwalt eingeschaltet, der uns ausführlich beraten und die Sicherheit gegeben hat, dass ich nicht plötzlich ausgewiesen werde (nicht, dass wir das Gefühl hatten, dass diese Gefahr je bestand). Die einzelnen Schritte bei der Beantragung der Green Card sind aber immer gleich – jeder muss sie bei der Einwanderung in die USA durchlaufen. Nur die Reihenfolge mag sich ändern.

Ich reiste im November 2010 in die USA mit dem Plan ein, hier einige Wochen zu verbringen. Michele und ich hatten im April 2010 in Long Island City geheiratet, anschließend ging es auf Hochzeitsreise nach San Francisco, bevor ich (mit einer Woche Verzögerung wegen des Vulkanausbruchs in Island) zurück nach Deutschland flog. Wir konnten uns anschließend kaum sehen: Im Sommer waren Flugtickets unerschwinglich teuer, auch wenn diese Preise heute fast schon normal sind. Erst im Oktober konnte ich wieder zurück nach New York kommen – was letztlich zu der Entscheidung führte, hier zu bleiben.

Wir wussten bereits von einem Anwalt im gleichen Bürogebäude, in dem Michele früher in Midtown gearbeitet hatte (direkt neben dem Hotel Sofitel, in dem Dominique Strauss-Kahn verhaftet wurde). Er half uns dabei, die nächsten Schritte zu planen (also nicht Strauss-Kahn, sondern der Anwalt…). Wenige Tage vor Weihnachten 2010 begannen wir mit der Planung, damit ich die Green Card für die USA bekommen würde, im Januar wollten wir den eigentlichen Antrag abschicken.

Zuvor aber musste ich den Arzttermin für die Immigration in die USA wahrnehmen.

Dieser Termin ist für alle Auswanderungswilligen verpflichtend; den Arzt muss man dabei aus einer Liste auswählen – der deutsche Hausarzt oder ein beliebiger Doktor in den USA kann die Untersuchung nicht vornehmen.

Der Arzt checkt, ob sämtliche in den USA vorgeschriebenen Impfungen vorliegen. Ich hatte das Glück, dass ich in den Jahren zuvor regelmäßig in Afrika im Urlaub war und deshalb ein ausführliches Impfbuch besaß. Nur die Tetanus-Impfung musste ich nachholen.

Ich kann nur empfehlen, vor dem Arzttermin beim Hausarzt sämtliche Impfungen aufzufrischen – ich bin mir nicht sicher, ob die Krankenkasse die Impfungen beim von den USA vorgeschriebenen Pflichtarzt bezahlt. Und in den USA selbst sind die Spritzen teuer.

Darüber hinaus wird geprüft, ob ein Einwanderungswilliger ansteckende Krankheiten hat. Leider ist es noch immer so, dass die USA AIDS-Kranken die Immigration verbietet – obwohl HIV mittlerweile ohne Schwierigkeiten behandelt werden kann.

Für uns war der Termin problemlos, auch wenn ich ihn wohl als amüsante Geschichte nie vergessen werde. Mein Termin war am 27. Dezember 2010 in Edgewater, einem rund zwei Kilometer von uns entfernten Ort, der theoretisch problemlos per Bus erreichbar ist. Theoretisch insofern, da mein Termin ausgerechnet am Tag eines der größten Winterstürme der vergangenen Jahre sein sollte. NJ Transit hatte den Verkehr eingestellt, und wir stapften durch beinahe kniehohen Schnee (an Fußgänger wird hier zuletzt gedacht). Mit 30 Minuten Verspätung schafften wir es zur Arztpraxis.

Der Arzt war ein echtes „Original“ (um es mal so zu beschreiben): Offensichtlich war er ganz dankbar, dass ich ein potenzieller Einwanderer aus Deutschland war und nicht aus einem der üblichen Länder stammte. Anschließend begann er eine lange Tirade gegen President Obama und seine „sozialistische“ Gesundheitspolitik, inklusive den geplanten „Death Panels“. Ich registrierte das mit wachsendem Unwohlsein. Sollte ich mit dem Arzt, dessen Bescheinigung ich dringend benötigte, über Politik diskutieren? Besser nicht. Irgendwann fragte mich der Doktor aber, ob ich etwa ein „Grüner“ sei…

Aber auch wenn der Mann politisch nicht gerade mit mir übereinstimmte, war er dennoch ausgesprochen zuvorkommend. Er wusste, dass wir die Strecke gelaufen waren und bot uns nach dem Termin an, Michele und mich nach Hause zu fahren.

Zwei Tage später holte ich die Ergebnisse in einem verschlossen Umschlag ab, den man auch nicht öffnen darf. Nun konnte die Antragstellung beginnen.

Einwanderung in die USA mit Form I-485 und I-130 beantragen

Um die Green Card für einen Angehörigen zu beantragen, müssen die beiden Formulare I-485 und I-130 ausgefüllt werden. Anfangs sind recht wenige Belege beizulegen – Hochzeits- und Geburtsurkunde, das besagte Untersuchungsergebnis vom Arzt, ggf. Informationen zur kriminellen Vorgeschichte, eine Kopie des Reisepasses. Alles andere – all die Dinge, die belegen, dass man auch tatsächlich verheiratet ist – kommen später.

Soweit zum ersten Teil. Kommende Woche will ich dann berichten, was nach der Antragstellung passiert.

2 Thoughts on “Einwandern in die USA – das Verfahren ausführlich erklärt (Teil 1)

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