Die Zahl der Hochzeiten per Skype für die Einwanderung in die USA steigt angeblich an. Das hat die New York Times jedenfalls in einem sehr lesenswerten Artikel am Mittwoch mit dem Titel „You May Now Kiss the Computer Screen – Internet Marriages on Rise in Some Immigrant Communities“ berichtet. Diese Art der Hochzeit – „proxy Marriage“ genannt – dürfte für deutsche Einwanderer in die USA wohl kaum relevant sein, ich möchte aber trotzdem den Text hinweisen.

Wird die Heirat in New York registriert (Michele und ich haben zum Beispiel ein „marriage certificate“ aus New York, da unsere Hochzeit in Long Island City stattfand), darf man dieses Verfahren nicht wählen. Laut NY Times sind „proxy marriages“ nur in sehr wenigen Bundesstaaten erlaubt, und dann auch meist nur dann, wenn einer der Partner Soldat ist. Wenn also ein Soldat in Afghanistan stationiert ist, Angst hat, dass er nicht mehr zurückkommt, aber sicherstellen will, dass der Partner die Hochzeit in einem anderen Land statt und ist dort legal (und in den USA nicht illegal), wird die Verbindung in den USA auch nicht angefochten. Die Reporterin führt in dem Artikel eine Hochzeit auf, die in Bangladesh „stattfindet“ – auch wenn die Braut in New York lebt.

Bei den Einwanderungsbehörden gilt die Praxis aber als fragwürdig – und das sicher zurecht. Unser Anwalt berichtete uns vor unserem ersten Interview mit der Einwanderungsbehörde, auf welche Anträge die Beamten besonders achten – etwa wenn eine 80-jährige Chinesin eine Hochzeit mit einem 20-jährigen Südamerikaner eingeht. Deshalb konnten wir auch recht beruhigt in unser Interview gehen: Zwei praktisch gleichaltrige Partner mit sehr ähnlichen Interessen (auch wenn Michele immer sagt, unsere Musikgeschmäcker seien doch sehr unterschiedlich) – da ist klar, dass es hier nicht darum geht, eine Green Card zu besorgen. Wenn aber, wie in dem von der New York Times zitierten Falle, die Partner sich nur ein einziges Mal gesehen haben und dann auch noch online heiraten, könnten da ganz andere Motive gelten…

Während dieses Verfahren also angeblich in einigen Einwanderergruppen immer populärer wird, zitiert die NY Times auch einen Iman, der Heiratswillige zurückweist, die einen Cousin aus der Heimat in Südostasien ehelichen wollen, bloß damit dieser die Green Card erhält. Und eine Aktivistin organisiert nach eigenem Bekunden solche Hochzeiten nicht mehr, weil sie gesehen hat, dass Partner im Ausland oft nur ein Interesse gehabt hätten: die Einwanderung in die USA.

 

 

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