Der große Tag war gekommen, wir hatten die Einladung zum Interview-Termin in Newark, New Jersey, in der Hand. Heute würde sich entscheiden, ob ich in den USA bleiben dürfte und die Green Card bekommen würde. Wir waren entsprechend nervös, saßen mit feuchten Händen im Wartesaal der Einwanderungsbehörde. Und dann war alles sehr problemlos…

Man hört sehr viel über dieses entscheidende Interview zum Erhalt der Green Card – Vieles davon ist falsch. Diese erste Befragung ist nämlich durchaus problemlos. Sollte der Beamte, mit dem man hier spricht, allerdings Bedenken haben, gibt es eine zweite Einladung zu zwei getrennten Gesprächen. Und da wird es ernster, dann sollte man schon wissen, welche Farbe die Zahnbürste des Partners hat und welcher Teppichboden im Schlafzimmer liegt.

Was genau wollen die Beamten also beim Interview für die Green Card wissen?

Mein Eindruck war, dass es letztlich nur darum geht, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob ein Paar tatsächlich zusammenlebt und nicht nur auf dem Papier verheiratet ist. In unserem Gespräch ging es lange Zeit darum, wie wir unsere Lebensmittel-Einkäufe in New Jersey erledigen, wo wir doch kein Auto haben, oder darum, ob wir Verizon Fios oder reguläres Kabelfernsehen bevorzugen. Das klingt banal, aber natürlich hören die Mitarbeiter dabei heraus, ob beide etwas zu dem Thema beitragen können.

Aber zunächst einmal: Unser Anwalt hatte uns darauf vorbereitet, dass Monate vergehen können, bis wir eine Einladung in der Hand halten würden. Im Spätsommer würde es wohl soweit sein, sagte er. Dann kam der Brief bereits im März mit einem Termin für den April – weit früher als gedacht.

Man sollte sich schon ein wenig darauf vorbereiten (und zwar nicht erst zum Zeitpunkt, wenn die Einladung kommt, sondern schon früher). Wir hatten zum Beispiel glücklicherweise gedruckte Fotobände von zwei Urlauben, die wir mit Micheles Familie in Virginia Beach verbracht hatten.

Wir besaßen natürlich auch Foto-Alben von unserer Hochzeit oder von unserer Hochzeitsreise. Zum Glück war auf Betreiben meiner Schwiegereltern unsere Hochzeit größer als ursprünglich geplant – eigentlich wollten wir uns in der „City Hall“ von New York das Ja-Wort geben und dann den engsten Familienkreis zum Lunch bitten. Micheles Eltern hatten andere Pläne. Schon diese Hochzeitsfeier machte deutlich, dass wir sicherlich keine Ehe auf dem Papier führen würden.

Das heißt natürlich nicht, dass man mit einer kleinen Hochzeit im Nachteil wäre. Ich würde aber auf jeden Fall raten, jedes Familienfest, an dem die Partner gemeinsam teilnehmen, fotografisch zu dokumentieren. Wer nur ein paar schnell geschossene Bilder vor den Sehenswürdigkeiten der Stadt besitzt, in der man lebt, gerät eher in Verdacht, dass hier keine echte Beziehung vorliegt.

Ich kann mich gar nicht erinnern, was wir außerdem dabei hatten: Es war eine große Plastiktüte voller Dokumente, die unser gemeinsames Leben zeigen. Zeigen mussten wir aber kaum etwas in unserem Interview. Dort sprachen wir dann nicht nur über Lebensmittel-Einkäufe und Verizon FIOS, sondern bekamen auch die üblichen Fragen gestellt: etwa ob man die Eltern des Partners kennen gelernt habe etc. Wer tatsächlich miteinander lebt, wird damit kein Problem haben.

Die Entscheidung über die Green Card hängt aber ganz alleine vom Beamten ab. Erfahrene Mitarbeiter verkünden die Entscheidung am Ende des Gesprächs (wir wussten beim Verlassen des Raumes, das ich die Green Card bekommen würde), neuere Beamte sagen nichts und verweisen auf den Brief, der einige Wochen später kommt.

Und damit war es geschehen. Ich durfte in New York bleiben…

Dieser Text schließt meine kleine Serie über die Einwanderung in die USA ab. Teil 1 und Teil 2 sind natürlich schon online

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