Nach weit mehr als einem Jahr ging es in der vergangenen Woche endlich mal wieder nach Deutschland – eine Woche zuhause bei meiner Familie in Westdeutschland. Berlin, wo ich 16 Jahre lang gelebt habe, war diesmal leider nicht drin. Angesichts der wenigen Urlaubstage, die man in den USA als Werktätiger bekommt, ist für eine längere Rundreise nicht immer Zeit. Und wir wollen auch nicht von nun an nur noch Urlaub in Deutschland machen.

Ein bisschen nervös waren Michele und ich wegen der Reise schon: Meine Green Card ist im April abgelaufen, die neue kommt im Schnitt rund acht Monate nach dem Antrag auf Verlängerung (was im September wäre), und einzig ein Brief bescheinigt, dass man weiterhin eine Aufenthaltserlaubnis hat. Würden wir Probleme bei der Einreise bekommen?

Zuvor aber erst einmal der Trip nach Deutschland.

Wie ist das, nach so langer Zeit zurückzukommen?

Man merkt schnell, wie man sich an das Leben in New York gewöhnt hat – das ging mir schon bei unserer Reise im Februar 2012 so.

Wir standen früh morgens am Düsseldorfer Flughafen am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn und wollten zwei Fahrkarten kaufen. Leider ist das mit Kreditkarte nicht möglich, und nachdem ich meine EC-Karte lange nicht benutzt hatte, fiel mir meine PIN-Nummer nicht mehr ein. Am Ende musste ich die Fahrkarten direkt mit einem frisch aus dem Automaten gezogenen 50-Euro-Schein am Schalter kaufen, der gerade erst öffnete. Dass ich nur einen so großen Geldschein hatte, passte dem Bahn-Mitarbeiter gar nicht – er schnauzte mich erst einmal an. So viel zur Service-Hölle Deutschland.

Wobei dieses Klischee nicht unbedingt stimmt. Wir waren vorige Woche im Cafe Sieben in Münster, wo wir einen großartigen Service erlebten – nicht anders als in einem guten Café/Restaurant in New York, wo die Bedienung vom Trinkgeld lebt. Am Tag zuvor waren wir allerdings im Gaffel Haus Köln, wo die Bedienung uns gleich anmeckerte, als wir in einer ruhigeren, weiter entfernten Ecke sitzen wollten und nicht inmitten anderer Besucher. Da müsste er ja soweit laufen… Das beschreiben einige vielleicht als „urig“, aber nach Jahren in den USA braucht man das nicht. Muss man da eigentlich Trinkgeld geben?

Auch bei Kleinigkeiten merkte ich die Umstellung:

  • Hier in den USA blinkt die Fußgängerampel, bevor sie auf Rot umspringt. Ich bemerkte, wie ich vor der deutschen Ampel nervös wurde – können wir jetzt noch gehen, wenn Rot kommt?
  • Oder: Wie lade ich mein altes, deutsches Handy auf? Ich war gewöhnt, in Berlin in einen T-Mobile Shop zu gehen, fand aber keinen. Meine Schwester erklärt mir, dass ich das doch in jedem Supermarkt erledigen könne…

An diesen Details merkt man, wie man sich als USA-Bewohner vom deutschen Alltag entfernt.

Auf viele Dinge freute ich mich aber:

  • Ich war passenderweise zur Spargel Zeit in Deutschland, also aßen wir gleich zweimal weißen Spargel, der in den USA eher unbekannt ist (Michele musste mitessen, versteht den Wirbel aber nicht).
  • Bionade hab ich auch mal wieder getrunken, nachdem sich die Bionade aus den USA zurückgezogen hat. Die neue Cola schmeckt allerdings gar nicht.
  • Und natürlich kauften wir Unmengen Schokolade, auch wenn man Rausch Schokolade mittlerweile in den USA bekommt.

Die Einreise in den USA – die verlief dann überraschend problemlos. Die Beamtin bei der Immigration in Newark wollte den Brief kurz sehen, dann bekam ich schon meinen Stempel. Uns fiel ein Stein vom Herzen…

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