An diesem Sonntag geht es offiziell los, seit voriger Woche dürfen Erstanmelder das System schon ausprobieren: Mit Citi Bike, das New Yorker Bike Sharing Programm, sollen die Großstädter das Radfahren erlernen. Meine ersten Erfahrungen sind gut, trotz einiger Anfangsschwierigkeiten. Für deutsche Touristen in New York ist Citi Bike zumindest bedingt geeignet.

Citi Bike funktioniert denkbar einfach: Man nimmt ein Fahrrad aus einer der vielen Docking Stations, die man in New York südlich des Central Parks sowie in Teilen Brooklyns an vielen Ecken findet, fährt zu seinem Ziel und dockt dort das Fahrrad wieder an. 6000 Fahrräder gibt es derzeit, insgesamt sollen es einmal 10.000 Fahrräder sein – dann soll es auch Stationen an der Upper West Side und Upper East Side geben.

Die Preise von City Bike:

  • Jahresmitglieder bezahlen 95 Dollar plus Steuern. Dann sind die ersten 45 Minuten pro Fahrt frei; anschließend fallen Mehrgebühren an.
  • 24-Stunden-Pässe kosten 9,95 Dollar plus Steuern. Dann sind die ersten 30 Minuten frei.
  • 7-Tages-Pässe kosten 25 Dollar plus Steuern. Auch hier sind die ersten 30 Minuten frei.

Es gab bereits einige Verwirrung, was das bedeutet – die ersten 30 (bzw. 45) Minuten sind frei. Dabei funktioniert das denkbar einfach: Man muss ein Fahrrad spätestens nach dieser Zeitspanne wieder in einer Docking Station absperren, um Mehrgebühren zu vermeiden. Anschließend kann man aber wieder ein neues Fahrrad nehmen, um weiterzufahren. Man kann also dennoch den ganzen Tag unterwegs sein. Wer Kurzzeitpässe benutzt, zahlt übrigens direkt an der Station mit der Kreditkarte. Mittels eines Code lässt sich das Fahrrad entsperren.

Wer als Tourist einmal den Central Park umrunden will (siehe dazu auch meinen Text „Die besten Laufstrecken in New York„, viele dieser Strecken sind auch für Radler geeignet), sollte sich besser ein Fahrrad am Central Park leihen. Wer aber etwa die Sehenswürdigkeiten in New York lieber per Rad erkunden will (also etwa vom Battery Park zum Time Square fahren möchte), ist mit Citi Bike bestens bedient. Ich kann mir vorstellen, dass Tourbus-Anbieter den ein oder anderen Kunden verlieren werden – zumindest im Frühjahr oder Herbst.

Meine persönlichen Erfahrungen mit Citi Bike:

Für uns ersetzt das Fahrrad wohl zumindest in den schönen Monaten die Fahrt mit der U-Bahn. Michele und ich arbeiten beide in Chelsea, und wir sind bisher vom Port Authority Bus Terminal zwei bzw. drei Stationen mit der U-Bahn gefahren. Stattdessen nehmen wir jetzt das Fahrrad – ich brauche 13 Minuten bis zur Arbeit, schneller wäre ich mit dem Zug auch nicht (die New York Times hat bereits einen schönen Geschwindigkeitsvergleich erstellt).

Das Fahrrad ist schwer und schwerfällig, hat nur drei Gänge, von denen die niedrigen beiden praktisch unbenutzbar sind, und der Fahrradkorb ist eher klein geraten. Aber das Fahrrad erledigt seinen Job – man kommt gut von A nach B -, und darauf kommt es an.

Ein paar Probleme gibt es noch mit dem Andocken: Ich hatte bereits zweimal Probleme, dass das Ende einer Fahrt nicht korrekt vermerkt wurde (obwohl es fest angeschlossen war). Aber das dürften Kinderkrankheiten sein.

Wie gefährlich ist Radfahren in New York?

Der Verkehr lässt sich in New York eher als „anarchisch“ beschreiben. Rote Ampeln sind für viele Radler und Fußgänger eher Empfehlungen, Radspuren gibt es zwar an mehr und mehr Avenues, sind aber oft durch Trucks, die Ware entladen, oder durch Fußgänger blockiert. Und es kommt immer wieder vor, dass Fußgänger auf ihr Telefon starren und bei Rot auf die Radspur treten. Wer in New York Rad fährt, muss hier wesentlich mehr aufpassen als in deutschen Städten. In Berlin wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen Fahrradhelm zu benutzen, hier ist extrem sinnvoll. Ich hatte allerdings bisher weniger Probleme mit Autofahrern als mit Fußgängern. Ist es eigentlich okay, einem Fußgänger auf einer Radspur einen Klaps mitzugeben, wenn sie auf der Radspur unterwegs sind?

David Byrne hat in seinem wunderbaren Buch „Bicycle Diaries“ einen guten Tipp fürs Radfahren in New York gegeben: Wer kann, sollte möglichst am Ufer einer der beiden Flüsse entlang fahren – die Fahrt nach Chelsea entlang des Hudson Rivers ist sehr entspannend.

Wer als Tourist in New York mit dem Fahrrad fahren möchte, sollte das mit Citi Bike ruhig mal probieren…

3 Thoughts on “Citi Bike: New York lernt das Radfahren

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