Vor gut einem Monat habe ich bereits einmal über das Citi Bike Programm in New York City geschrieben. Zeit also, Zwischenbilanz nach den ersten Wochen Radfahren in Manhattan zu ziehen.

1. Citi Bike bekommt langsam technische Probleme in den Griff

Wer in den ersten 14 Tagen ein Fahrrad ausleihen wollte, hatte mit allerlei Problemen zu kämpfen:

  • Fahrräder ließen sich nicht aus den Docking Stationen entnehmen.
  • Docking Stationen funktionierten nicht, Citi Bikes konnten an vielen Stationen nicht abgegeben werden.
  • 24 Stunden Codes funktionierten nicht.
  • Der Telefonsupport war unerreichbar.

Mein Eindruck ist, dass zumindest die technischen Probleme zuletzt besser wurden. Anfangs musste ich morgens kurz vor Arbeitsbeginn hektisch eine Docking Station finden, die funktionierte, um dann gerade noch rechtzeitig an meinem Arbeitsplatz zu erscheinen. Diese Suche gab es zuletzt nicht mehr. Inwiefern die Tagescodes besser funktionieren, kann ich nicht beurteilen.

2. Citi Bike plagt weiterhin logistische Probleme

Wer die Facebook Seite von Citi Bike besucht, liest allerdings weiterhin von etlichen anderen Problemen:

  • Citi Bike sollte mittlerweile gute Daten über die Bewegungen ihrer Fahrräder haben – trotzdem ist es bis heute nicht gelungen, Fahrräder kurzfristig dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden. Wenn ich morgens um 8 Uhr mit dem Bus am Port Authority in New York ankomme, sind die meisten Fahrräder schon weg. Ich bin zuletzt mehrfach von der 42. bis zur 33. Straße (zur Penn Station) gelaufen, um dort ein Citi Bike auszuleihen. Das nervt auf Dauer. Komme ich abends zurück zum Port Auhority, sind die Docking Station allerdings oft schon voll. Ähnliche Probleme hört man auch aus dem East Village oder der Gegend rund um Grand Central.
  • Die Citi Bike App gibt inkorrekte Informationen über die Verfügbarkeit von Fahrrädern an. In der Anwendung sieht man, wie viele Räder zur Verfügung stehen und wie viele Docks frei sind. Leider kann die App nicht erkennen, ob Fahrräder als „defekt“ markiert sind (also eine rote Lampe leuchtet). Oder aber die Angaben sind extrem zeitverzögert.
  • Jahresmitglieder klagen weiterhin darüber, dass die Schlüssel extrem spät ankommen.

3. Citi Bike und der Verkehr in New York

Ich fahre morgens die 9th Avenue runter nach Chelsea. Michele ist sehr nervös wegen des Verkehrs auf der Straße, ich weniger. Ich bin aber nur einmal im Feierabendverkehr die 8th Avenue Richtung Norden gefahren – das mache ich nicht nochmal. Grundsätzlich sollte man folgendes beachten, wenn man mit dem Citi Bike durch New York fährt:

  • New Yorker (und Touristen) sind Radfahrer nicht gewohnt. Sofern es Radwege gibt, werden die schon mal als Gehweg benutzt (gerade zur Rush Hour). Da Rote Ampeln in New York hier eher als Empfehlungen angesehen werden, treten Fußgänger auch schon mal unvermittelt auf die Straße. Darauf sollte man dringend achten.
  • „Delivery boys“ – also Radfahrer, die Essen ausliefern – nehmen immer den kürzesten Weg. Auch wenn der gegen die Verkehrsrichtung ist. Auf diese Radfahrer muss man besonders achten. Mittlerweile sind sie markiert, damit sie gemeldet werden können.
  • Wenn Autos abbiegen, achten sie vielleicht auf Fußgänger, aber definitiv nicht auf Radfahrer. Man muss also selber mitdenken.

Ich kann nur dringend dazu raten, sich an die Verkehrsregeln zu halten und möglichst mit Helm zu fahren (die gibt’s schon für 30 Dollar in Geschäften wie Sports Authority, Paragon Sports oder einem Bike Geschäft). Stressfrei fährt man an den Flussufern, wo man getrennt vom Autoverkehr unterwegs ist.

Übrigens: Wer ein defektes Rad hat, sollte beim Zurückstellen den Knopf drücken, um es als defekt zu markieren. Dann leuchtet eine rote Lampe. Mittlerweile hat sich etabliert, dass man auch den Sitz umdreht, so dass weithin sichtbar ist, wenn ein Rad ein Problem hat.

4. Citi Bike und Tourismus

Grundsätzlich ist Citi Bike eine wunderbare Art, New York zu entdecken. Heute morgen, nach einem Rennen auf Roosevelt Island, bin ich einfach aufs Rad gestiegen und war in kürzester Zeit am Busbahnhof. Ich sehe zudem viele Touristen, die die Räder nutzen.

Als Tourist lohnt sich eine Wochenkarte. Man darf damit 30 Minuten lang fahren, bevor man das Fahrrad wieder eindocken muss. Man hat aber unbegrenzte Fahrten zur Verfügung und kann ein Fahrrad sofort nach dem Eindocken wieder entnehmen. Wer aber mit den Central Park umrunden will, ist weiterhin besser mit einem regulären Fahrradverleih bedient – zumal es weiterhin keine Stationen nördlich der 59. Straße gibt.

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