Als ich vor zwei Jahren begann, nahe der High Line in Chelsea zu arbeiten, war ich ganz angetan von der Idee, meine Mittagspausen auf der ehemaligen Eisenbahnlinie zu verbringen. Mittlerweile habe ich mir einen ruhigeren, weniger touristischen Park gesucht. Aber Besuchern von New York kann ich den Ausflug zur High Line in Chelsea weiterhin empfehlen. Zumindest mit Einschränkungen.

Wir waren zum ersten Mal an einem Sonntag Nachmittag auf der High Line – im Sommer, als der Park gerade erst eröffnet hatte. Michele kannte den Park bis dahin gar nicht. Ein Sonntagsausflug ist natürlich das Falscheste, was man machen kann. Der Gehweg war so überfüllt, dass die Helfer die Besucher zum Weitergehen animieren mussten – Stehen bleiben ging nicht wegen des Rückstaus.

Besser ist es seither nicht geworden.

Die New York Times schrieb kürzlich in einem Artikel, dass die High Line den Weg zur Arbeit verkürzen kann. Das kann ich nur bestätigen: Ein paar Mal bin ich mit der Fähre nach New York gefahren und hatte genügend Zeit, von dort bis zur 14. Straße zu laufen. Auf der High Line gibt es natürlich keine Ampeln, Touristen sind morgens auch noch nicht sehr viele unterwegs – also ist man schnell am Ziel. Deshalb würde ich auch allen raten, sich morgens auf den Weg in den Park zu machen.

Auf der High Line joggen würde ich allerdings nicht, auch wenn die New York Times dies ebenfalls mal empfohlen hat. Zum Laufen ist es dort wirklich nur frühmorgens leer genug.

Wer später kommt, muss hingegen damit leben, dass er die letzten Reste wilder Natur mit vielen Menschen teilen muss – vor allem an schönen Spätsommertagen so wie derzeit.

Aber was ist die High Line überhaupt?

Vor vielen Jahren gab es einmal am westlichen Ende Manhattans eine Eisenbahnlinie, auf der unter anderem Fleisch und andere Lebensmittelprodukte transportiert wurden (der Bereich südlich Chelseas heißt auch heute noch Meatpacking District). Die Linie befand sich oberhalb der Straße, so dass der Verkehr unten nicht blockiert wurde.

Irgendwann aber war die Eisenbahnlinie nutzlos – Lkw übernahmen den Transport. In den Sechziger Jahren wurde die Linie außer Betrieb gesetzt. Zwischenzeitlich gab es Pläne, die komplette Struktur abzureißen, was aber verhindert werden konnte. Währenddessen wucherte oben vollkommen ungestört die Natur. Im Jahr 1999 gründeten sich die „Friends of the High Line“, denen es gelang, mit Millionenspenden einen Park zu errichten, der im Jahr 2006 eröffnet wurde.

Heute kann man auf der High Line bis zur 34. Straße laufen, der letzte Teil des Projekts – entlang der Schienen an der 34. Straße – ist noch nicht öffentlich, allerdings kann man dort nach Anmeldung ein Kunstprojekt von Carol Bove anschauen. Ich will das bei nächster Gelegenheit mal tun, weil man dort den Park im urwüchsigen Zustand sehen kann.

Man kann die High Line durchaus kritisch sehen: Das Projekt wurde mit Millionenspenden errichtet, während andere Parks, die für die Einwohner New Yorks relevanter sind, teilweise vernachlässigt werden. Zudem entstehen in Chelsea immer mehr Luxuswohnungen, weil das Leben an der High Line als sehr schick gilt. So gesehen hat der Park zur Gentrifizierung New Yorks wesentlich beigetragen. Ob man sich als Tourist in New York an solchen Dingen stört, ist natürlich eine andere Frage.

Ausflugstipps:

  • Nach dem Besuch auf der High Line lohnt sich ein Abstecher in den Chelsea Market, wo es viele verschiedene Essensstände gibt. An Wochenenden aber meiden!
  • Der Ausflug auf die High Line lässt sich mit verschiedenen weiteren Exkursionen verbinden: Wer nach Norden geht, sollte von hier Richtung Hudson River und dann weiter in Richtung Flugzeugträger Intrepid laufen. Wer in Richtung Süden unterwegs ist, wird sich West Village anschauen.
  • Die High Line schließt leider rechtzeitig vor Sonnenuntergang. Ich stand mit Freunden schon einmal um 18.30 Uhr an einem Aufgang, nur um zu erfahren, dass kein Zugang mehr möglich ist. Im Sommer ist der Park aber bis 23 Uhr geöffnet.
  • Es gibt einige wenige Getränkestände auf der High Line, die völlig überteuert sind. Lieber alles im Deli kaufen und mitbringen!

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